Quelle: http://www.litkicks.com/DorothyParker

Was würde Dorothy Parker tun?

Manchmal weiß man im Leben einfach nicht weiter. Man steht vor einer Entscheidung, man grübelt, man hadert, man zweifelt. Und bekommt den Kopf einfach nicht ausgeschaltet. Weil vermeintlich so viel an der Entscheidung dranhängt. Man Angst hat, genau das Falsche zu machen. In solchen Fällen kann es nicht schaden, ein paar role models im Kopf zu haben. Die können uns zwar nicht die Entscheidungen abnehmen, aber dafür von ihren Erfahrungen erzählen. Von den Fehlern, Ängsten und Erfolgen, die ihnen begegnet sind. Und die sie am Ende zu dem gemacht haben, was sie heute sind: Autorinnen der Weltliteratur. 


Lange vor Carrie Bradshaw verstand es schon einmal eine Frau, den ganz besonderen Zauber von New York in Worte zu fassen: Dorothy Parker verschaffte der Metropole in den 20er und 30er Jahren mit ihren Poems und Short Stories ein literarisches Denkmal. Fast alle ihrer Geschichten spielten in New York – ohne dass sich die Autorin überhaupt die Mühe machte, darauf anhand von Sehenswürdigkeiten oder Straßennamen explizit hinzuweisen. Für Dorothy Parker existierte ganz einfach gar keine andere Stadt als die amerikanische Metropole. Lernte sie neue Menschen kennen, wollte sie stets nur wissen, in welcher Straße sie lebten, niemals aber in welcher Stadt. Sie atmete, sie fühlte, sie lebte diese Stadt, die sie inspirierte und formte: Esprit und Tempo, Ehrgeiz und Erfolg, Einsam und Grausamkeit. In ihrem ganzen Wesen war Dorothy Parker ein Abbild dieser Stadt.

The first thing I do in the morning
is brush my teeth and sharpen my tongue.


Ihre Theater und Bücherrezensionen, die sie mit Mitte 20 für die Vanity Fair und später für den New Yorker schrieb, verschafften ihr schnell den Ruf als schärfste Zunge New Yorks. Denn niemand nahm damals so lustvoll, so böse, die Stücke auseinander: Sätze wie „Wenn Sie nicht stricken können, bringen Sie sich ein Buch mit“ oder „Wäre die Hauptdarstellerin nicht durch eine glückliche Fügung des Schicksals von einem Mitspieler erwürgt worden, hätte ich mich zur Bühne vorgekämpft und die Sache selbst in die Hand genommen“ brachten die Broadway Bosse zum Fluchen und ließ ihre Leserschaft schnell wachsen. Dorothy Parker wurde geliebt und gehasst, bewundert und gefürchtet. Niemand war vor ihrer berüchtigten scharfen Zunge sicher: Bis heute halten sich Gerüchte, dass sich ihre Sitznachbarn auf Abendveranstaltung nicht getraut haben sollen, den Sitzplatz zu verlassen, aus Angst vor ihren Spott. 

Aber Dorothy Parker konnte nicht nur gut austeilen: Sie war zudem auch extrem begabt darin, ihre Beobachtungen in pointierten und bissigen Erzählungen festzuhalten. Ihre New Yorker Geschichten erzählen vom verzweifelten Warten einer Frau auf einen Anruf von einem Mann, von Frauen, die trinken, um fröhlich und amüsant für ihre Liebhaber sein zu können, von dem oberflächlichen Alltag einer Society Lady, von Liebenden, denen die Worte ausgehen.
Für einen ganzen Roman fehlte Dorothy Parker dagegen die Ausdauer und Phantasie (wofür sie sich zeitlebens schämte), denn fremde Welten lagen ihr nicht – sie schrieb nur über das, was sie am besten kannte: New York, gleichgültige Männer, die sich nicht mehr melden, Frauen, die sie sich nach Liebe sehnten, und immer wieder um diese Einsamkeit in der Stadt, die niemals schläft.

I hate writing, I love having written.

Trotz ihres Erfolges und ihrer gefürchteten scharfen Zunge, litt Dorothy Parker unter Selbstzweifel, die sich in Sätzen wie „Bitte Gott, lass mich schreiben wie ein Mann“ zeigten. Nur selten fand sie ihre eigenen Texte gelungen, von fünf geschriebenen Wörtern änderte sie – nach eigenen Angaben – sieben. Trost suchte sie bei Männern, bei Hunden (ihre große Liebe!), im Alkohol. Als Eine der schillerndsten Persönlichkeiten der 20er und 30er Jahre war sie überall mit dabei: Auf Dinner Partys und am Round Table im Algonquin Hotel, in Bars und kalten Hotelzimmer und doch war sie oft einsam. Zweimal verheiratet, zwei Fehlgeburten, unzählige Affären, mehrere Selbstmordversuche – „In einem Land, dass das Streben nach Glück sogar in seiner Verfassung festgeschrieben hat, schien sich Dorothy Parker mit Leidenschaft ins Unglück zu stürzen“ (Elke Heidenreich). Sie starb allein mit ihrem Pudel C’est Tout in einem Hotelzimmer mit 73 Jahren an einem Herzinfarkt.

I don’t care what is written about me so long as it isn’t true. 

INSPIRIEREND WEIL
Ihre Texte auch heute on point sind.
Sie New York und allen einsamen Singlefrauen eine Stimme gab.
Sie furchtlos war und sich nicht davor scheute, mit ihrer Meinung anzuecken.

WEITERLESEN
New Yorker Geschichten. Aus dem amerikanischen Englisch von Pieke Biermann und Ursula-Maria Mössner.
Noch ein Martini und ich lieg unterm Gastgeber. Dorothy Parker. Eine Biographie. Von Michaela Karl

Foto: Lizenzfrei, zur Verfügung gestellt von: http://www.litkicks.com/DorothyParker

One Comment

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s