6 Gute Serien, die in der Medienlandschaft spielen

Vielleicht liegt es daran, dass ich selbst gerne schreibe und für das Fernsehen arbeite. Ich eine Schwäche für den – vermeintlichen – Blick hinter die Kulissen habe. Mich immer wieder die Hartnäckigkeit und das Talent bestimmter Journalisten beeindrucken – so dass es wenig verwunderlich ist, dass ich auch gerne Serien über die Macher/innen von Zeitschriften und Fernsehsendungen sehe. Hier kommt daher eine kleine, feine Auswahl:

GOOD GIRLS REVOLT – 2015/2016
Noch immer bin ich extrem traurig darüber, dass diese wunderbare Serie nach nur einer Staffel eingestellt wurde. Dabei soll sie der damalige Amazon Studio Boss Roy Price die Serie angeblich nicht einmal angesehen haben, als er über ihr Aus entschied. Besonders verwunderlich: Der Pilot von Good Girls Revolt legte nach „The Man in The High Castle“ das 2. stärkste Debüt auf Amazon in der begehrten Zielgruppe 18-49 hin und bekam von den weiblichen Zuschauerinnen 80 Prozent im Abschlussrating. Nach Prices Entlassung (übrigens wegen Belästigungsvorwürfen) gab es Ende 2017 noch einmal Gerüchte über eine mögliche Fortsetzung, bestätigt wurde aber leider bis heute noch nichts. So viel erstmal zu den Hintergründen.
Darum geht es: Im Jahr 1969 kämpfen Hippiegirl Patti und ihre weiblichen Kolleginnen um mehr Anerkennung und Eigenständigkeit bei dem Magazin News of the Week. Hier sind die Hierachien noch klar verteilt: Die Männer schreiben die Artikel (und setzen ihren Namen darunter), die Frauen dürfen die Recherche erledigen (und werden nicht namentlich nicht erwähnt). Doch im Zuge der Swingin Sixties wollen sich das die Frauen nicht mehr gefallen lassen – Patti und ihre Kolleginnen beginnen für ihre Gleichberechtigung zu kämpfen.
Warum ihr Good Girls Revolt anschauen solltet?
Weil auch im Jahr 2020 Gleichberechtigung (leider) immer noch ein Thema ist. Die Serie auf wahren Begebenheit beruht: Im Jahr 1970 reichten 46 Frauen eine Sammelklage gegen ihren Arbeitgeber Newsweek wegen systematischer Diskriminierung ein. Eine von ihnen war Lynn Povich, die übrigens das Buch The Good Girls Revolt schrieb, die als Grundlage für die Serie genutzt wurde. Und natürlich weil es sehr mitreißend und bewegend ist, mitanzusehen, wie Patti und ihre Kolleginnen Stolz auf ihr eigenes Schaffen entwickeln, wie sie in ihrer Arbeit aufgehen und für ihr Recht auf Emanzipation kämpfen. Na gut, und weil ich nie genug vom Flair der 60er und 70er kriegen kann, die ihr großartig in Form von Settings und Kostüme in Szene gesetzt werden.
Hard facts: 10 Folgen à 50 Minuten, zu sehen auf Amazon Prime.

THE BOLD TYPE – seit 2017
Schon der Name der Serie spielt auf das Milieu an: Wieder geht es um eine Zeitschriftenredaktion. Das war es aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten zu Good Girls Revolt, denn jetzt befinden wir uns im hippen New York der Gegenwart. Die Serie ist etwas girly, macht aber meiner Meinung nach auch vieles richtig.
Darum geht es: Erzählt wird auf (bislang) drei Staffeln die Freundschaft zwischen Jane, Kat und Sutton, die alle drei in unterschiedlichen Funktionen für die Frauenzeitschrift Scarlet arbeiten. Dabei springt die Handlung immer zwischen dem Privat – und Berufsleben der Freundinnen hin und her, denn beide Bereiche sind ständigen Veränderungen und Herausforderungen unterworfen.
das Suchen und Finden der Freundinnen Jane, Kat und Sutton nach ihrem Platz in der Arbeitswelt, im Leben, in New York und in der Liebe. Mein Lieblingscharakter ist Jane, die für Scarlet Artikel schreibt und im Laufe der Serie immer mehr ihre eigene Stimme und ihren Stil findet.
Warum ihr The Bold Type anschauen solltet?
Weil The Bold Type eine zeitgemäße, humorvolle, diverse und kluge Version von Sex and The City ist. Weil New York und Schreiben einfach zusammen passen. Und Jane, Kat und Sutton drei absolut glaubwürdige Twentysomethings sind, deren Träume und Sorgen wir alle sicherlich ein Stückchen teilen können.
Hard Facts: In Deutschland gibt es bislang drei Staffeln mit jeweils 10 Folgen à ca. 45 Minuten, zu sehen auf Amazon Prime.

UNREAL – 2015 bis 2018
In Deutschland geht bald die aktuelle Bachelor Staffel zu Ende. Wer aber nicht genug von Datingshows, Drama und Tränen bekommen kann, der sollte unbedingt in Unreal reinschauen. Für mich als Fernsehredakteurin war es außerdem interessant zu sehen, wie hier die Branche und die Jagd nach Quoten dargestellt wird.
Darum geht es: Alle vier Staffeln spielen vor und hinter der Kamera der fiktiven Datingshow Everlasting, die stark an den Bachelor (ab Staffel 3 an die Bachelorette und ab Staffel 4 an Bachelor in Paradise) angelehnt ist. Dabei stehen die Macherinnen im Vordergrund: Producerin Rachel, die von den Kandidatinnen und Kandidaten das Intimste herauskitzeln soll und die selbst mit psychischen Problemen zu kämpfen hat und Executive Producerin Quinn King, die bereit ist, alles für eine gute Quote und krasse Bilder zu riskieren.
Warum ihr Unreal anschauen solltet?
Weil die Serie einmal mehr zeigt, wie wunderbar und furchtbar grausam auch Frauen auf dem Weg zur Macht sein können. Weil man beim Zusehen nicht drum herumkommt, seine eigenen moralischen Grenzen zu hinterfragen: Wie weit wäre man selbst bereit, zu gehen? Wo hört die Wahrheit auf, wo fängt Fernsehen an? Wie sehr können Menschen und das Medium Fernsehen die Wahrheit beeinflussen?
Hard Facts: 4 Staffeln mit insgesamt 38 Folgen à jeweils 42 Minuten, zu sehen auf Amazon.

THE NEWSROOM – 2011 bis 2014
Und noch eine Serie, die in der Fernsehbranche spielt. Allerdings muss ich zugeben, dass ich die Serie selbst noch gar nicht gesehen habe, sie aber auf meine großen Watch List steht. Da ihr Name außerdem immer wieder fällt, wenn es um Serien in der Medienlandschaft geht, will ich sie euch nun nicht vorenthalten.
Darum geht es: Wie in Unreal spielt auch THE NEWSROOM vor und hinter den Kameras einer fiktiven Fernsehsendung. Gesicht der Sendung (und Serie) ist Nachrichtensprecher Will McAvoy, der seine Ex-Freundin Mackenzie McHale als neue ausführende Produzentin vorgesetzt bekommt. Beide setzen sich zum Ziel, sich von Trash TV Sendungen abzuheben und stattdessen kritischen und ehrlichen Journalismus zu betreiben. Soweit die Theorie. In der Praxis warten jedoch ein unerfahrenes Team und Chefs, die auf Quoten schauen, auf die Beiden…
Warum ihr THE NEWSROOM anschauen solltet?
Weil eine Serie aus der Hand von Aaaron Sorkin (The social Network) nicht verkehrt sein kann. Die Frage nach der Verantwortung von Medien in Zeiten von Lügenpresse aktueller denn je ist.
Hard Facts: 3 Staffeln mit insgesamt 25 Folgen, à 60 Minuten (Pilotfolge 72 Minuten), zu sehen auf SKY.

GIRLS – 2012 bis 2017
Okay, zugegeben: Bei dieser Serie steht weniger das Schreiben, als vielmehr die Freundschaft zwischen Hannah, Marnie, Jessa und Shoshanna im Mittelpunkt. Allerdings kann ich mich noch erinnern, wie ich 2012 oder 2013 die erste Staffel ansah und mich darüber freute, dass durch Hannah zum 1. Mal der Traum vom Schreiben in einer Serie thematisiert wurde. Zumindest hatte ich zu dem Zeitpunkt nichts Vergleichbares gesehen.
Darum geht es: Hannah, Mitte 20, träumt von einem Leben als Schriftstellerin: „Ich könnte die Stimme meiner Generation sein.“ Aber genau das ist das Problem: Könnte. Denn Hannah ist es zwei Jahre nach ihrem College Abschluss noch (?) nicht. Wie sie versucht, ihren Traum wahr werden zu lassen, indem sie sich von Schreibjobs zu Schreibjobs hangelt und nebenbei das Leben zwischen Höhenflügen und tiefen Existenzkrisen zu meistern, zeigt die Serie auf sechs Staffeln. Noch mehr Raum nimmt allerdings die Freundschaft der vier Girls ein, die alle ihren Platz nebeneinander und im Leben noch suchen.
Warum ihr Girls anschauen solltet?
Weil Hannah Sätze sagt wie: „I want to write stories that make people feel less alone than I did“, die man sich am liebsten abschreiben würde.
Sie aber zugleich wunderbar unsympathisch ist: Die meiste Zeit geht sie einem mit ihrem Narzismus eigentlich ganz schön auf die Nerven. Aber genau das macht Hannah und ihre Freundinnen als Typen auch so interessant und erfrischend.
Hard Facts: 6 Staffeln mit insgesamt 62 Folgen à jeweils 30 Minuten, zu sehen z.B. auf Amazon.

THE MORNING SHOW – Seit 2019
Wer Unreal und THE NEWSROOM schon gesehen hat, der kann vielleicht mit THE MORNING SHOW noch eine neue Entdeckung machen. Die wurde für Apples neuen Streamingdienst AppleTV+ exklusiv produziert und mit Jennifer Aniston und Reese Witherspoon hochkarätig (und medienwirksam) besetzt.
Darum geht es: Jennifer Aniston spielt die frustrierte Nachrichtensprecherin Alex Levy, Reese Witherspoon ihre ehrgeizige Konkurrentin Bradley Jackson. Nachdem Alex’s Co-Partner Mitch Kessler, mit dem sie 15 Jahre lang die Morning Show moderiert hat, aufgrund von sexueller Belästigung gefeuert wurde, muss die Moderatorin nun auch um ihren eigenen Platz vor der Kamera kämpfen. Und weiß sich zu helfen. Bloß ihre Konkurrentin Bradley Jackson lässt sich davon nicht so schnell beeindrucken.
Darum solltet ihr THE MORNING SHOW anschauen:
Da ich auch diese Serie selbst noch nicht gesehen habe, kann ich bislang nur sagen: Jennifer Aniston! Reese Witherspoon!
Hard Facts: Eine Staffel mit 10 Folgen à 50-69 Minuten, zu sehen auf AppleTV+.
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