Alles ganz schön nice hier. 5 aktuelle Bücher über Millennials.

Gefühlt seit Sally Rooneys gefeierten Bestseller Gespräche mit Freunden feiert der Generationsroman ein fulminantes Comeback. Reiner Zufall oder ausgeklügelte Marketing Strategie? Fakt ist: Romane über die Generation Y sprießen gerade nur so aus dem Boden. Mit Erfolg: Leif Randts Allegro Pastell ist sogar für den Leipziger Buchpreis nominiert und gilt für manche Kritiker schon jetzt als „Roman, an dem kein Millennial vorbei kommt„.
Höchste Zeit also, 5 Bücher aus der Kategorie „Millennials“ vorzustellen, die hoffentlich demnächst auf meinen Nachttisch wandern. Ob die was können, würde ich gerne an anderer Stelle in einem „Worth the hype?“ Artikel mit euch diskutieren.

Leif Randt: Allegro Pastell, Kiwi Verlag

Nachdem ich die begeisterte Rezension von Ijoma Mangold auf ZEIT ONLINE gelesen habe, kann ich es kaum erwarten, Germany’s next Lovestory selbst zu lesen. Leif Randt erzählt in Allegro Pastell auf 280 Seiten in drei Phasen die Liebesgeschichte von Tanja und Jerome, zwei Mittdreißigern, die permanent damit beschäftigt sind, sich selbst, ihre Leben und die Außenwelt zu reflektieren. Wichtig ist, dass alles entspannt, nice und angenehm ist. Und trotzdem noch natürlich auch instagrammable.

„Die ersten warmen Tage eines Jahres trugen in großen Städten ein soziales Stresspotenzial in sich, in Berlin ging es darum, möglichst publikumswirksam eine gute Zeit zu haben.“

Leif Randt: Allegro Pastell

Allegro Pastell erscheint wie ein Kommentar zur Wohlstands- und Lifestyle Gesellschaft, in der es immer darum geht, was das „Ich“ gerade braucht und fühlt. Wie sich das auf die menschlichen Beziehungen auswirkt und ob Tanja und Jerome am Ende des Romans noch zusammen sind – ich bin gespannt.

Kathrin Weßling: Nix Passiert, Ullstein Verlag

Leider gehören Liebe und Leid ja ziemlich oft zusammen. Davon erzählt Kathrin Weßling in ihrem zweiten Roman „Nix passiert„. Alex, 30, wurde gerade frisch verlassen und flüchtet aus Berlin auf’s Dorf zu seinen Eltern. Dort erwartet er Trost und Mitgefühl.

„Kinder, Garten, Doppelhaushälfte, und alles wäre so verdammt geregelt, so verdammt in Ordnung, und das meine ich nicht abwertend, denn im Grunde bin ich zutiefst neidisch auf dieses Leben, auf diese Gleichförmigkeit.“

Kathrin Wessling: Nix passiert


Dort muss Alex jedoch feststellen, dass nicht alles automatisch besser ist, je weiter man sich von der Großstadt entfernt. Denn auch auf dem Land gibt es Probleme. Und vielleicht fehlen Alex ja noch ganz andere Dinge zum Glücklich-sein als seine Ex-Freundin.

Anna Hope: Was wir sind, Hanser Literaturverlage

Vorsicht: Dieser Roman ist nicht zu verwechseln mit dem Dr. Shiwago Roman Alles, was wir sind von Lara Prescott. Stattdessen spielt der Roman Was wir sind der Britin Anna Hope im hier und heute. Hannah, Cate und Lissa sind alle Mitte 30, haben in London studiert und gefeiert und stehen jetzt an ganz unterschiedlichen Wendepunkten ihres Lebens: Hannah wünscht sich nichts sehnlicher als ein Kind mit ihrem Freund Nathan, Cate hat wiederum nach der Geburt von ihrem Sohn die Großstadt gegen eine Kleinstadt ausgetauscht und das Gefühl, sich mehr und mehr zu verlieren. Und Lissa? Steht vor dem Scherben ihrer Beziehung. Und ihrem großen Traum.

„Ich wurde nochmal zum Vorgespräch eingeladen“, sagt sie. „Echt?“ Es ist beschämend, aber Hannah kann es sich nie merken. So viele Castings, so viele beinahe ergatterte Rollen.

Anna Hope: Was wir sind.

Was ist aus dem Menschen geworden, der du einmal sein wolltest? Was wollen wir? Was hält Freundschaften zusammen, was trennt uns? Diesen Fragen geht Anna Hope in ihrem dritten Roman nach.

Nicole Flattery: Zeig ihnen, wie man Spaß hat, Hanser Literaturverlage

Wenn besagte Sally Rooney über einen Debütroman urteilt: „Mutig, furchtlos und auf qualvolle Weise lustig“ – dann könnte es einen schlechteren Start in der Literaturbranche geben. So geschehen bei der Irin Nicole Flattery, die den Erzählband Zeig ihnen, wie man Spaß hat, verfasst hat. Darin erzählt sie in 8 Stories von 8 Frauen, die zugleich aber auch ein und dieselbe Frau in verschiedenen Zeiten ihres Lebens sein könnten. Die Studentin, die mit ihrem Professor ein Verhältnis beginnt, könnte man auch als die College – Abbrecherin lesen, die desillusioniert in der dörflichen Tankstelle anfängt zu arbeiten.

„Vor der Tankstelle war mein Heimatort vor allem bei Leuten berühmt gewesen, die unter Reisekrankheit litten. Hier hielten sie an und würgten und spuckten, um dann ein besseres Ziel anzusteuern.”

Nicole Flattery: Zeig ihnen, wie man Spaß hat

Spaß und Glück sind was für Andere. Nicole Flatterys Figuren sind dagegen ständig am straucheln und kämpfen, fallen und wieder aufstehen und sollen, so die Verlagsankündigung, „das Lebensgefühl einer ganzen Generation“ wiedergeben und zugleich „verspotten.“

Paulina Czienskowski: Taubenleben, Aufbau Verlag

Großstädterin Lois fürchtet nichts so sehr, wie die eigene Unbedeutsamkeit, wie sie sie an jungen Tauben beobachtet, die sterben, ohne dass jemand bewusst von ihnen Notiz nimmt.

In jener Nacht wurde die Taube für mich zu einem Sinnbild kläglich gescheiterter Existenzen. Eine belanglose Gestalt, die in der Masse untergeht, unter Milliarden auf der Welt. Diese Banalität widerte mich an. Ich konnte den Gedanken nicht ertragen und wollte sicherstellen, so sehr aufzufallen, dass ich niemals einfach derart untergehen würde.“

Pauline Czienskowski: Taubenleben

So beginnt Taubenleben von der Autorin und Journalistin Pauline Czienskowski. Was erstmal nach einer typischen „first world Problems“ – Geschichte klingt, bekommt schnell einen ganz anderen Ton. Denn nach einem ungeschützten One – Night – Stand entscheidet sich Lois dazu, einen HIV – Bluttest zu machen. Und danach ist es nie wieder so, wie es einmal war.

7 Comments

  1. annadenktnach

    Hey du,
    danke für die Empfehlungen! Die Romane von Flattery und Randt stehen jetzt auf jeden Fall auf meiner Liste. „Was wir sind“ lese ich tatsächlich im Moment und bis jetzt gefällt es mir richtig gut! Wobei ich den englischen Titel „expectation“ noch passender finde, da es viele Zeitsprünge gibt und es immer darum geht, was für Erwartungen die Charaktere an die Zukunft, an sich selber und aneinander haben. Ich hoffe du hast ein schönes Wochenende!
    xx anna

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    1. johannaschreibtwas

      Hallo Anna, danke für deinen lieben Kommentar. 🙂 Da freue ich mich aber, dass du in der Liste was für dich mitnehmen konntest. Ich habe mir „Allegro Pastell“ und „Was wir sind“ jetzt auch mal besorgt und bin schon sehr gespannt, wie sie mir gefallen. Ach, spannend mit dem Originaltitel. Ja, da kann ich mir auch gut vorstellen, dass der noch besser passt. Lass mich gerne wissen, wie dein endgültiges Fazit ausfällt. 🙂 Dir ein schönes Wochenende!

      Gefällt 1 Person

  2. Sunita

    Ich habe bereits von allen diesen Büchern gehört außer dem letzten (dabei klingt das fast am interessantesten, habe es mir gleich mal gespeichert :)), aber mir war irgendwie nicht klar, dass es hier um Millenials geht. Ich habe auch Gespräche mit Freunden gelesen und gefeiert und seit dem bin ich immer wieder bei Büchern gelandet, deren Protagonisten Ende Zwanzig sind. Ich mag es einfach von Menschen zu lesen, die durchmachen, was ich gerade durchmache, das ist extrem beruhigend 😉

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    1. johannaschreibtwas

      Oh freut mich, wenn du so noch etwas Neues entdecken konntest. Lass es mich wissen, falls du irgendwann das Buch gelesen haben solltest. 🙂
      Haha, das kann ich gut verstehen – am Ende ist Alter ja auch unwichtig, was zählt sind die Geschichten und Erfahrungen. Und mir geht es wie Dir: Immer wieder beruhigend zu merken, dass man mit seinen Gefühlen nicht alleine ist. 😀

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