Mit Büchern, Serien, Podcasts und guten Ideen gegen den Lagerkoller ankämpfen

„Leben ist das, was passiert, wenn du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.“

Könnte John Lennon diese verrückten Zeiten gerade besser auf den Punkt bringen? Reisepläne, Verabredungen, Jobwechsel, Dates, Prüfungen – es gibt wohl niemanden, dem Corona gerade keinen Strich durch die To do Liste macht. Aber es hilft ja nichts: Außer bitte schön brav Zuhause bleiben und so auf Euch und Eure Mitmenschen Acht geben. Damit es euch aber dabei nicht zu langweilig wird, habe ich euch eine bunte Liste mit Vorschlägen zum Zeitvertreib in den eigenen vier Wänden erstellt. Lagerkoller (hoffentlich) ausgeschlossen.

LESEN

Kevin Kuhn: Hikikomori
Während uns in gewisser Weise Corona gerade wieder mehr in die eigenen vier Wände drängt, gibt es Menschen, die sich freiwillig für viele Monate oder sogar Jahre in ihren Zimmern oder Häusern zurückziehen, umso den Kontakt zur Außenwelt zu meiden. Dieses Phänomen, das besonders häufig in Japan auftritt, wird dort „Hikikomori“ genannt: Rückzug. Nicht in Japan, sondern in Deutschland ist der gleichnamige Roman von Kevin Kuhn angesiedelt. Er erzählt die Geschichte von Till, einem jungen Erwachsenen, der nicht zur Abiturprüfung zugelassen wird und daraufhin in eine schwere Lebenskrise stürzt. Was soll aus ihn bloß werden? Um darauf eine Antwort zu finden und sich zugleich den ganzen Erwartungen von Außen zu entziehen, verbarrikadiert sich Till für die nächste Zeit in seinem Kinderzimmer und erschafft sich einen Zufluchtsort: Die Welt 0.

Anna Gavalda: Zusammen ist man weniger allein
Wenn es zu Corona irgendwas „Positives“ zu sagen gibt, dann wohl, dass wir alle im selben Boot sitzen. Wir jetzt zusammen durch die Krise müssen. Und zwar unabhängig von unseren persönlichen Sympathien, Voraussetzungen oder Moralvorstellungen. Das kann eine Chance sein.
Ohne Pandemie, aber dafür mit vielen persönlichen Problemen lässt Anna Gavalda in ihrem Roman vier Menschen aufeinandertreffen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und doch zueinander finden. Wie es Philibert, Camille, Franck und Paulette schaffen, gemeinsam ihre Einsamkeit zu überwinden und trotzdem jeder zugleich versuchen muss, seinen eigenen Weg im Leben zu gehen, berührt mich beim Lesen immer wieder. Eine kleine Erinnerung daran, wieviel man manchmal riskiert aber zugleich auch zurück bekommt, wenn man sich Anderen gegenüber ehrlich öffnet und zusammenhält.

Wir brechen die 10 Gebote und uns den Hals von Michaela Karl

Michaela Karl: Wir brechen die 10 Gebote und uns den Hals
Wer Angst vor der Zukunft hat, kann seinen Blick auch einfach mal in die Vergangenheit werfen. Und da irgendwann ja mal Babylon Berlin durchgeschaut ist, lohnt sich ein Blick über den großen Teich: Denn dort hielt vor genau 100 Jahren ein Ehepaar alle in Atem – die Rede ist von F. Scott Fitzgerald und seiner schönen Frau Zelda, die so viel vom Leben wollten, wie sie nur kriegen konnten. Reich und erfolgreich suchten sie in New York, Paris und an der französischen Riviera ihr Glück, doch ihr exzessiver Alkoholgenuss, ihre Schaffenskrisen und psychischen Probleme führten zum Absturz. Was nach einem Hollywoodfilm klingt, war tatsächlich ihr (viel zu kurzes) Leben und liest sich mindestens so schnell weg wie diverse Boulevardblätter – aber mit mehr Tiefgang, versprochen.

Margaret Atwood: Der Roman der Magd
Bereits 1985 erschien der dystopische Roman The Handmaid’s Tale von Margaret Atwood, der nach Trumps Wahl zum amerikanischen Präsidenten nochmal ein fulminantes Comeback auf den Bestsellerlisten feierte. Auf 416 Seiten entwirft Atwood die Vision eines totalitären Staates, in dem Frauen keine Rechte mehr haben. Sie müssen ihre Arbeit niederlegen, dürfen kein eigenes Einkommen mehr besitzen und sollen stattdessen Kinder gebären. Das bekommt auch die Magd Desfred zu spüren, die als Eine der wenigen Frauen noch Kinder kriegen kann und so in einen Strudel aus Angst, Macht, Gewalt, Hoffnung und Intrigen gerät.

Agatha Christie: Und dann gabs keines mehr
Zum Schluss gibt es noch einen Klassiker der Kriminalliteratur: Und dann gab es keines mehr ist bis heute mit 100 Millionen verkauften Exemplaren das meistverkaufte Werk von Agatha Christi und nimmt sogar Platz 6 in der Bestenliste der meistverkauften Bücher aller Zeiten ein. Dabei handelt es sich bei dem Roman um einen klassischen Whodunit: 10 Personen, die nichts miteinander zu tun haben, erhalten eine Einladung auf eine abgeschiedene Insel, zu der man nur mithilfe eines Bootes gelangt. Vor Ort beginnt dann eine Mordserie, bei der man als Leser/in bis zum Schluss grübelt, wer hinter dem gerissenen Plan wohl steckt… Beim Lesen der Geschehnisse auf der abgeschotteten Insel weiß man dann auch zugleich die eigenen vier Wände als Quarantäne mehr zu schätzen…


SCHAUEN

Gibt es noch Jemanden, der nicht Queer Eye gesehen hat? In vier Staffeln krempeln die Fab Five das Leben ihrer Kandidaten um: Einrichtung, Modestil, Pflegeroutine, soziales Leben – kein Punkt ist vor den fünf Jungs sicher. Das klingt erstmal nach einer Umstylingshow, wie man sie gefühlt schon hundert Mal gesehen hat. Und doch schafft es Queer Eye, dass man es sich auch zum 101. mal ansieht und man sich nach wenigen Minuten verstohlen eine Träne aus den Augen wischt. Und danach wieder und wieder einschaltet. Denn der ehrliche Umgang untereinander und die positive Sicht auf das Leben von Jonathan, Antoni, Bobby, Tan und Karamo steckt an. Und erinnert uns gerade in diesen ungemütlichen Zeiten daran, wie wichtig es ist, aufmerksam mit sich selbst und Anderen umzugehen. Und den positiven Blick in die Zukunft nicht zu verlieren.
Auf Netflix.

2016 erschien Juli Zehs Gesellschaftsroman Unterleuten, der schnell zum Bestseller avancierte. Darin wird das soziale Gefüge des fiktiven brandenburgischen Dorfes Unterleuten durcheinander gewirbelt, nachdem eine Investorenfirma viel Geld anbietet, um im Dorf seine Windkraftanlagen zu platzieren. Schnell teilt sich das Dorf in Befürworter und Gegner des Plans – alte Streitigkeiten kommen (wieder) ans Licht, aus Freunden werden Feinde und umgekehrt, bis nichts mehr so ist, wie es (vielleicht nie) war. Das ZDF hat Unterleuten nun als Dreiteiler hochkarätig verfilmt (u.a. mit Charly Hübner, Bjarne Mädel, Ulrich Noethen, Miriam Stein, Rosalie Thomass, Mina Tander) und bietet über 4 Stunden feinste Ablenkung vom aktuellen Weltgeschehen.
Zu sehen im ZDF und der ZDF Mediathek.

Bereits 2017 wurde der gleichnamige Bestsellerroman Big Little Lies der Australierin Liane Moriarty von HBO als Mini-Serie mit 7 Folgen verfilmt. Darin glänzen Nicole Kidman, Reese Witherspoon, Laura Dern, Zoe Kravitz und Shailene Woodley als wohlhabende Mütter von Erstklässlern, die alle in einem klassischen Whodunit – Fall verwickelt sind, der erst am Schluss der letzten Folge aufgeklärt wird. Dafür gab es viel Lob und Preise. Wer die Serie – wie ich – damals verpasst hat, sei sie jetzt nochmal wärmstens empfohlen. Folge für Folge entfalten die Charaktere ihre guten und schlechten Seiten, verändern sich die Dynamiken untereinander bis man als Zuschauer ahnt, dass das Ganze nicht gut enden kann…
Auf SKY (inzwischen gibt es sogar schon eine 2. Staffel).

Seit Ende Februar kann man auf Netflix die Serie I Am Not Okay With This von Regisseur Jonathan Entwistle anschauen, der bereits mit The End of The F*ing World sein Feingefühl für Coming of Age Stoffe und seinen großartigen düsteren Humor zu Beweis stellte. In der neuesten Netflix Serie kämpft nun die 17-jährige Syd (gespielt von Sophie Lillis, genau, das Mädchen aus ES) in der amerikanischen Provinz mit der Highschool, Familiendramen und unerwiderten Gefühlen für ihre beste Freundin. Wären das nicht schon genug Herausforderungen, muss der Teenie auch noch mit aufkeimenden telekinetischen Superkräften fertig werden. Das kommt euch irgendwie bekannt vor? Kein Wunder, produziert wurde die Serie von den Stranger Things Machern, den Duffer-Brothers.
Auf Netflix.
Übrigens: Falls euch jetzt schon die Netflix – Abende mit euren Freunden fehlen, sei die Funktion Netflix Party empfohlen. Hier könnt ihr easypeasy dank eines Add-ons gleichzeitig den gemeinsamen Film schauen und darüber fachsimpeln.
Noch mehr Serientipps von mir findet ihr auch hier.

HÖREN

Auch wenn ich Viele der geladenen Interviewgäste sehr spannend finde, schreckte mich bislang die Dauer des Alles gesagt? Podcasts ab. Wann erlaubt man sich schon mal, gut und gerne mal 5 Stunden ohne schlechtes Gewissen Jemanden zuzuhören? Selbst wenn es sich dabei um Carolin Emcke oder Herbert Grönemeyer handelt? Eben. Jetzt ist die Gelegenheit, das zu ändern. Übrigens: Lasst euch von mir nicht abschrecken, jede Folge geht so lange, bis der Interviewpartner findet, dass alles gesagt sei. Das kann auch mal nur 10 Minuten dauern.
Zu hören auf ZEIT ONLINE oder Spotify.

Vor Kurzem bin ich auf den Stories Podcast von 1Live gestoßen. In regelmäßigen Abständen lesen hier eine Stunde lang Autoren und Autorinnen vor Publikum aus ihren Neuerscheinungen vor und stellen sich den Fragen der Gastgeber. Wer seinen Augen vom netflixen und lesen mal eine Pause gönnen möchte und außerdem vielleicht wissen will, was z.B. Kathrin Weßling (die ich euch hier bereits vorgestellt habe) alles zu ihrem Werk Nix Passiert und sich selbst so zu erzählen hat, sollte mal einschalten.

Oder wie wäre es zum Beispiel mal wieder damit, ein Album ganz klassisch von Anfang bis Ende durchzuhören? Macht man doch heute in Spotify Zeiten eigentlich viel zu selten, dabei entfaltet sich gerade auf Konzeptalben dann erst ihre ganz besondere Vision. So erzählt z.B. die englische Hip Hopperin und Schriftstellerin Kate Tempest auf ihrem Album Everbody Down in 12 zusammenhängenden Tracks von Becky, Pete und Harry – drei Anfang-Mitte-Dreißigjährigen, die in London ihren Platz suchen.

Ihr hattet Tickets für ein Konzert, das wegen Corona jetzt ausfällt? Dann könnten euch vielleicht Konzert Mitschnitte darüber ein wenig hinwegtrösten. ARTE verfügt beispielsweise über eine große Auswahl von Konzertmitschnitten von Trettmann, über Dido bishin zu Klassikkonzerten oder Opern. Alle Mitschnitte findet ihr hier.
Oder wie wäre es direkt mit einer ganzen Doku über eure/n LieblingsinterpretIn? Hier hat sich Netflix mit seinen Dokus über Lady Gaga, Beyoncé oder Taylor Swift in den letzten Jahren einen Namen gemacht.

Ein Wohnzimmer-Konzert der besonderen Art geben heute (22.3.) für alle Liebhaber von deutscher Musik ab 16h30 u.a. Max Giesinger, Johannes Oerding und Michael Schulte beim Wir bleiben Zuhause Festival.

Wer mehr auf Club Musik steht, kann sich täglich ab 19h per Livestream in die Berliner Club Szene beamen.

MACHEN

Jetzt gibt es keine Ausreden mehr: Höchste Zeit, endlich mal die Dinge anzugehen:

  • Eine Postkarte an die Liebsten schreiben UND verschicken
  • Endlich das Projekt angehen, von dem man schon so lange träumt: Egal ob es sich hierbei um eine neue Sprache, ein Instrument oder eine lang gehegte Buchidee ist: Fangt einfach damit an.
  • Neue Rezepte ausprobieren, für die man im Alltag nie die nötige Motivation aufbringt
  • Frühjahrsputz: Macht nie Spaß, aber immerhin verpasst man jetzt nicht so viel.
  • Einfach nur aus dem Fenster schauen und die Ruhe genießen
  • Mit Freunden telefonieren, mit denen man sich sonst nur hektisch Sprachnachrichten austauscht
  • Pläne für die Zeit danach schmieden
  • Vom Sommer träumen
  • Platz schaffen und kräftig ausmisten
  • Gar nichts machen und dabei mal kein schlechtes Gewissen haben
  • Endlich mal Fotos ausdrucken und einkleben
  • Spiele spielen
  • Musik machen
  • Den Balkon angehen
  • Leider sind ja Museumsbesuche gerade auch nicht drin. Die gute Nachricht: 12 renommierte Kulturstätten wie das Guggenheim Museum in New York oder der Louvre in Paris ermöglichen euch einen virtuellen Rundgang. Hier eine kleine Übersicht vom SPIEGEL.

Was auch immer ihr macht: Macht’s euch hübsch und bleibt schön gesund!

10 Comments

  1. Anke Roeder-Eckert

    Ich liebe das Buch von Anna Gavalda, auch wenn der Titel in der aktuellen Situation etwas makaber wirkt, aber es wärmt das Herz. Der Report der Magd von Margaret Atwood wäre mir jetzt aber zu düster…. das würde ich nicht empfehlen.
    Liebe Grüße und danke für die Tipps

    Gefällt 1 Person

    1. johannaschreibtwas

      Liebe Anke, ja, das stimmt. Für „Zartbesaitete“ ist der Report der Magd tatsächlich eher nichts – für alle, die sich aber gerne mit spannender Lektüre ablenken und dabei „Schlimmer gehts also immer“ denken wollen, ist der Roman aber meiner Meinung nach trotzdem zu empfehlen. 🙂
      Und ja, „Zusammen ist man weniger allein“ ist einfach nur wundervoll. Danke für deine Meinung. 🙂

      Gefällt 2 Personen

  2. Andreas Kück - LESELUST

    Moin! Moin!

    Eine sehr abwechslungsreiche Auswahl: Vielen Dank dafür…!

    Christie geht immer, finde ich,…
    …und mit Michaela Karl und ihrer Fitzgerald-Biografie durften wir vor einiger Zeit eine äußerst amüsante Lesung erleben!

    Liebe Grüße
    Andreas

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    1. johannaschreibtwas

      Ja, mich hat das Ende auch wirklich umgehauen: Ohne zu viel verraten zu wollen, gab es doch einige überraschende Wendungen…
      Ich habe allerdings auch nur die Verfilmung empfohlen, weil ich den Roman auch noch nicht gelesen habe. Eine gute Frage! Ich habe dazu gemischte Meinungen gehört…und werde persönlich mit dem Lesen noch etwas warten, da das Ende gerade noch zu präsent in meinem Kopf ist. 😉
      Ganz liebe Grüße!

      Gefällt 2 Personen

  3. Glücksbloggerin

    Danke, Johanna für deine sorgfältige Auswahl und die vielen Tipps. Danke auch für deine Zusammenfassung und Bewertungen. Manchmal verliere ich den Überblick im Bücher- und Medienjungle. Es ist bestimmt für jeden etwas dabei.

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    1. johannaschreibtwas

      Vielen Dank für deinen lieben Kommentar. 🙂 Ja, ich bin auch immer wieder überrascht, wenn ich auf anderen Blogs auf Filme oder Bücher stoße, die komplett an mir vorbei gegangen sind…! Hab ein schönes Wochenende. 🙂

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