Oldie but goldie: Bücher und Filme für die Komfortzone

Kennt ihr das auch? Manchmal ist der Kopf vom Nachdenken so voll, dass man sich abends nur noch einkuscheln und die Welt „da draußen“ ganz weit von sich weg schieben möchte. Ist man in so einer Stimmung, kann keine gehypte Serie, kein neuer Blockbuster gegen lieb gewonnene Allstars ankommen. Schließlich gibt es wenig Tröstlicheres, als Filme und Serien zu sehen, deren Charakter und Entwicklungen man in und auswendig kennt – im Gegensatz zu den täglichen Corona News. Und da es nicht nur mir so geht, gibt es für dieses Phänomen sogar die schöne Bezeichnung Comfort Binge. In dem Sinne: Viel Spaß beim Lesen und Schauen.

Romane

In der letzten Zeit habe ich bemerkt, dass ich verstärkt zu bestimmten Autoren als zu ausgesuchten Büchern greife, daher beginnt diese Liste mal mit den Schriftstellern, mal mit den entsprechenden Werken.


CORNELIA FUNKE – TINTENHERZ

Zurzeit lesen mein Mann und ich gemeinsam noch einmal die gesamte Tintenherz – Reihe von Cornelia Funke (umfasst Tintenherz, Tintenblut und Tintentod), die uns mitnimmt in eine Welt voller Bücher und Magie, Helden und Bösewichten. Obwohl ich bis auf Harry Potter und Der Herr der Ringe wenig mit Fantasy anfangen kann, hat mich schon als Schülerin Cornelia Funkes Geschichte gepackt. Allein die Idee, jedes Kapitel mit einem Zitat aus einem anderen literarischen Meisterwerk zu beginnen, lässt doch das Herz jedes Bücherliebhabers höher schlagen. Und auch die persönliche Reihe der 12-jährigen Meggie und ihres Vaters Mo nimmt in den drei Romanen gewaltige Wendungen und Entwicklungen, die einen für kurze Zeit gut aus dem aktuellen Zeitgeschehen herausreißen.
Das gilt allerdings für alle Romane von Cornelia Funke. Ob Die Wilden Hühner, Der Herr der Diebe oder Drachenreiter: Glaubt mir, mit jedem Werk seid ihr für vergnügliche Lesestunden bestens ausgestattet.

AGATHA CHRISTIE

Wie bei Cornelia Funke, kann ich eigentlich hier nur eine generelle Empfehlung für die Romane der britischen Lady of Crime aussprechen. Eine ausführlichere Besprechung zu ihrem erfolgreichsten Werk findet ihr aber ansonsten von mir auch hier. Obwohl es in ihren Krimis durchaus zur Sache geht (Morde, Morde, Morde, darunter zum Teil auch sehr bestialisch), lesen sie sich meiner Meinung nach sehr viel angenehmer als viele aktuelle Thriller (wie z.B. von Sebastian Fitzek), da der Charme des vergangenen Jahrhunderts in den Beschreibungen der Orte und Personen für immer festgehalten ist. Wenn von alten Herrenhäusern und Teesalons die Rede ist, von feinen Damen und angesehenen Kriegsveteranen, springt bei mir im Kopf sofort eine kleine Zeitmaschine an. Trotzdem sind die Romane aber alles Andere als zähe Kost, bis zum Schluss rätselt man in der Regel, wer es denn jetzt eigentlich war. Überraschungen sind dabei (fast) immer inklusive.

ASTRID LINDGREN

Seit ich den Film ASTRID im Kino gesehen habe, ist meine Liebe und große Bewunderung für die schwedische Bestsellerautorin noch einmal neu entfacht. Rechtzeitig vor der Quarantäne habe ich zum Glück von Zuhause noch ein paar Romane (Madita! Pippi! Wir Kinder aus Bullerbü! Mio mein Mio! Michel in der Suppenschüssel) einstecken können, die mich allesamt ab Seite 1 zurück in meine eigene Kindheit entführen. Jede Geschichte sprüht nur so voll Witz und Wärme und hat meiner Meinung nach etwas zutiefst Tröstliches.

ERICH KÄSTNER

Vielleicht ist es wirklich so, dass man sich in Krisenzeiten oft in Vergangenes flüchtet oder es ist reiner Zufall, dass ich gerade in diesen Tagen die Kinderbücher von Erich Kästner noch einmal ganz neu für mich entdecke. Das fliegende Klassenzimmer, Pünktchen und Anton, Emil und die Detektive, Das doppelte Lottchen – nicht nur die Filme schaue ich mir immer wieder gerne an einem Sonntag an, auch die Bücher eignen sich wunderbar für gedankliche Ausflüge in das Berlin der 1930er Jahre und in die Welt von Kindern.

DANIEL GLATTAUER: GUT GEGEN NORDWIND & ALLE SIEBEN WELLEN

Ich entdeckte Gut gegen Nordwind von Daniel Glattauer zum Glück erst, als es schon den Fortsetzungsband Alle sieben Wellen gab. Ich frage mich, wie ich ansonsten das offene Ende zwischen Leo und Emma verkraftet hätte.
Falls euch der Titel bekannt vorkommt: Ja genau, der Band wurde erst letztes Jahr mit Nora Tschirner und Alexander Fehling hochkarätig verfilmt. Ich selbst habe mich damals gegen den Kinobesuch entschieden, weil ich Leo und Emma so im Kopf behalten wollte, wie ich sie mir beim Lesen immer vorgestellt habe. Wie die Zwei durch ein Versehen in Kontakt kommen und sich dann nur durch E-mails immer weiter und weiter kennenlernen, liest sich so schön leicht, wie ein Brief von einem guten Freund und macht Lust, selbst mal wieder ein bisschen mehr in die Tasten zu hauen als nur auf dem Smartphone.

ANNA GAVALDA – EIN GESCHENKTER TAG


An anderer Stelle habe ich euch bereits den Roman Zusammen ist man weniger allein vorgestellt, der Anna Gavalda auf einen Schlag berühmt gemacht hat. Fast noch lieber mag ich allerdings den kurzen Band Ein geschenkter Tag, der uns nach Frankreich reisen lässt. Dort sind die Geschwister Simon, Garance und Lola gerade auf dem Weg zu einer Hochzeit einer sehr entfernten Verwandten, als sie sich plötzlich dazu entschließen, viel lieber ihren Bruder Vincent zu besuchen, der in einem Schloss in der Provinz arbeitet. Zu Viert verbringen die Geschwister einen Tag, wie sie ihn schon lange nicht mehr erlebt haben: Ohne Lebenspartner oder Smalltalk, stattdessen voller Erinnerungen an ihre Kindheit.

SERIEN

BERLIN, BERLIN

In meiner Märzvorschau hatte ich es schon einmal erwähnt: Ich liebe die Geschichte von Lolle, die in vier Staffeln ihr Glück in Berlin sucht. Da es ja leider zurzeit nicht möglich ist, die Verfilmung im Kino zu sehen, greife ich auf meine alte DVD Sammlung zurück (alternativ findet ihr viele Folgen auch auf YouTube oder Amazon) und lasse mich zum gefühlt 300mal auf Lolles Abenteuer in der Hauptstadt ein. Wie sie ihre Heimat in Malente zurücklässt, um in Berlin als Comic Zeichnerin durchzustarten und dabei immer wieder vom Weg abkommt, weil Freundschaften, ihre Familie und natürlich die Liebe sie herausfordern, erinnert mich jedes Mal an meine Neuanfänge in fremden Städten und ist dabei aber so, so lustig anzuschauen. Große Empfehlung!

FRIENDS

Ich gebe zu, ich habe die Kultserie erst spät entdeckt: Am Stück sah ich sie zum 1. Mal 2017, nun schaue ich die 236 Episoden zum zweiten Mal durch. Denn ich bin schwer verliebt in Ross, Rachel, Monica, Chandler, Joey, Phoebe, Monicas WG und das Central Perk, den 90er Charme und das New York Feeling. Und das, obwohl ich normalerweise kein Fan von Sitcoms bin. Aber den sechs Freunden dabei zuzusehen, wie sie im Laufe der 10 Staffeln erwachsen werden und sich ihre Beziehungen untereinander immer wieder verändern, rührt mich vermutlich auch beim 1000 x schauen. Oh, und der Großteil der Witze sitzt auch immer noch genauso gut.

GILMORE GIRLS

Ich weiß noch, dass ich die Serie damals entdecke, als meine große Schwester gerade Ablenkung von ihren Abiturprüfungen brauchte und VOX die Folgen regelmäßig ausstrahlte. Zwar war ich zutiefst unglücklich mit dem Netflix Remake 2016, das kann aber den Charme der Originalserie nicht mindern. Wie Berlin, Berlin und Friends ist auch Gilmore Girls eine Feelgood Serie – die im Gegensatz zu den genannten Serien dieses Mal aber nicht in einer Großstadt, sondern in der fiktiven Kleinstadt Stars Hollow in Connecticut spielt. Dort lebt das unfassbar coole Mutter-Tochter Gespann Lorelai und Rory Gilmore, die gefühlt die meiste Zeit der Serie damit beschäftigt sind, Kaffee zu trinken, Pizza oder Pop Tarts essen und pointierte Dialoge in Hochgeschwindigkeit zu sprechen. Das allein macht schon Spaß zuzuhören, aber es ist auch wirklich sehenswert, wie beide Frauen versuchen, ihren Weg einzuschlagen und welche Personen dabei ihren Weg so kreuzen (Suky! Luke! Paris).

O.C. California

O.C. lernte ich während meiner Schulzeit durch meine beste Freundin kennen, die alle Staffeln der Serie auf Dvd hatte. Allerdings mag ich euch uneingeschränkt nur die ersten beiden Staffeln empfehlen, weil meiner Meinung nach die Serie danach leider extrem abbaute. Doch die ersten beiden Staffeln eignen sich perfekt, um bei (heute) 6 Grad Außentemperatur vom Sommer zu träumen, von Strandpartys und blauen Pools, großen Sonnenbrillen und um sich mit ganz viel Highschool Drama abzulenken. Denn jeder der Teenager Ryan, Marissa, Seth und Summer hat sein eigenes Päckchen zu tragen. Es geht um Themen wie Klassenunterschiede, Familie, Liebe, Magersucht, Unsicherheiten und natürlich ganz großen Gefühlen.

FILME

90ER JAHRE FEELDGOOD FILME MIT TOM HANKS

Ich weiß auch nicht, aber irgendwie komme ich immer direkt zur Ruhe, wenn ich Tom Hanks Gesicht auf der großen Leinwand sehe. Dabei mag ich besonders gerne die klassischen 90er Jahre Filme mit ihm: Schlaflos in Seattle, E-mail für Dich, Forrest Gump. Keiner davon ist besonders arty oder anspruchsvoll, aber an diesen Tagen wie ein großes Stück Schokolade: Süß, und tröstlich. (Ähnlich geht es mir übrigens auch mit Julia Roberts und Hugh Grant. Auch hier kann ich euch die ganze 90er Bandbreite empfehlen.)

THELMA & LOUISE

Auch ein Film aus den frühen 90ern, der aber nichts mit der beruhigenden Romantik der oben besprochenen Tom Hanks/Hugh Grant/Julia Roberts gemein hat. Stattdessen nimmt uns Ridley Scott mit auf einen Road Trip, den die beiden Freundinnen Thelma und Louise bestreiten. Das beginnt ganz harmlos als Ausflug und endet schließlich in einer dramatischen Flucht – und einem großartigen Finale! Für alle, die in ihren eigenen vier Wänden gerade von Weite, Hitze und dem Gefühl „Jetzt einfach ins Auto absteigen und abhauen“ träumen.

STAND BY ME – Das Geheimnis eines Sommers

Zur Abwechslung mal ein Film aus den 80ern: In Stand by me gehen die 12-jährigen Jungs Gordie, Chris, Teddy und Vern auf die Suche nach einer Leiche. Seit Tagen wird in ihrer Kleinstadt der gleichaltrige Ray vermisst, als Vern seinen älteren Bruder belauscht, als dieser vom Fund der Leiche in einem Waldstück in der Nähe eines Bahndamms berichtet. Während ihres Trips durch die Bergwelt Oregons kommen die einzelnen Konflikte, die jeder der Jungs mit sich herumschleppt, zu Tage und so entwickelt sich im Laufe der Zeit ein immer stärkeres Band zwischen den Vier. Auch wenn der Film viele ernste Töne anschlägt, ist er alles Andere als ein Stimmungskiller. Denn mitanzusehen, wie aus den vier Jungs Freunde werden und wie sie die verschiedenen Herausforderungen auf ihrer Wanderung meistern, wärmt das Herz, versprochen.

SCHULE

Ich mag nicht nur besonders gerne Filme aus den 90ern, sondern auch Teeniefilme. Der Film Schule aus dem Jahr 2000 gehört dabei zu meinen absoluten Favoriten. Die Freunde Markus, André und Dirk stehen kurz vor ihrem Abitur – und wollen es in den letzten Wochen ihrer Schulzeit noch einmal so richtig krachen lassen. Genau das Richtige, wenn man Lust auf ein wenig Schulzeit-Nostalgie hat („Achja, damals“) und sich in den letzten Sommer in Freiheit zurückerinnern möchte.

10 DINGE DIE ICH AN DIR HASSE

Der Kultfilm aus dem Jahr 1999 lässt sich auch 21 Jahre (oha!) später noch genauso gut schauen wie damals. Cameron kommt neu an die Highschool und verliebt sich ausgerechnet in Bianca – das beliebteste und (angeblich) hübscheste Mädchen der Highschool. Die darf jedoch nur auf ein Date gehen, wenn ihre ältere, zickige Schwester Kat ebenfalls ein Date hat. Außerdem zeigt Bianca zudem noch mehr Interesse an dem Schönling Joey. Cameron lässt sich davon jedoch nicht entmutigen und bezahlt den Außenseiter Patrick dafür, Kat auf ein Date rumzukriegen. Ein Film für alle, die Lust auf vorhersehbare Highschool Dramen und Romantik haben.


Was sind eure liebsten Bücher, Filme und Serien, auf die ihr immer wieder zurückgreift?



10 Comments

  1. magdasmomente

    Eine sehr schöne Auswahl! Und ja, ab und zu überkommt mich das Gefühl des: ich will ich, allein und in meiner schönen Welt sein. Und da lese ich sehr gerne Bücher aus meiner Kindheit oder Bücher, die ein wenig mehr Fantasie haben, als das was ich sonst so lese. Gerne greife ich da natürlich auf Harry Potter, aber auch Tintenherz oder die Fear Sreet Reihe zurück 🙂
    Ich wünsche dir noch einen schönen Tag! Bleib gesund und viel Spaß beim lesen 😉

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  2. Tine von Glücksgedöns

    Ach ja, da haben wir einige Gemeinsamkeiten: „Gut gegen Nordwind“ habe ich auch sehr gerne gelesen und noch einige Male als Hörbuch gehört. Zuletzt vor etwa 1,5 Jahren mit MEINEM tollensten Mann der Welt.

    In den Film wollte ich auch nicht. Aus dem gleichen Grund wie du.

    Und ja „Friends“ ❤ ❤ ❤

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    1. johannaschreibtwas

      Das sind aber ja wirklich mal viele Parallelen! 🙂
      Tatsächlich kenne ich Gut gegen Nordwind noch nicht als Hörbuch – das ist aber ein super Tipp, das werde ich mir gleich mal runterladen.
      Und ja, Friends laufen bei uns gerade wieder in der 8. Staffel. 😀

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      1. Tine von Glücksgedöns

        Im Hörbuch wird Emmi von Andrea Sawatzki gesprochen. Die mag ich als Sprecherin auch besonders gerne.

        Ich hab mich übrigens heute mal ganz in Ruhe auf deinem Blog umgeguckt und mich direkt sehr wohl gefühlt. Schön bunt gemischte Themen! 🙂

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