6 richtig gute sportfilme (auch wenn man sonst nie sport schaut)

Seit Neuestem sind mein Mann und ich Sportfilmen verfallen. Das ist insofern erstaunlich, weil wir beide mit Profisport ansonsten so gar nichts am Hut haben. Nie würden wir auf die Idee kommen, an einem Samstag um 15h30 eine Bundesliga – Übertragung anzusehen oder nachzuschauen, wann das nächste Wimbledon Match stattfindet. Von eigenen hochleistungssportlichen Ambitionen mal ganz abgesehen. Woher kommt also diese plötzlich entfachte Begeisterung für Sportfilme? Vielleicht liegt es daran, dass wir uns selbst zurzeit nur wenig sportlich austoben dürfen. Vielleicht sind es aber auch einfach nur 6 extrem gute Filme, die sportliche Dramen mit emotionalen Verwicklungen gekonnt kombinieren:

Borg/McEnroe

Zwar soll diese Auflistung kein Ranking darstellen, doch meinen absoluten Sportfilm-Favoriten muss ich trotzdem als Erstes erwähnen…
Darum geht es: Borg/McEnore aus dem Jahr 2017 handelt von der Rivalität zwischen dem viermaligen Wimbledon-Sieger und Nummer 1 der Weltrangliste Björn Borg und seinem Herausforderer John McEnore, einem Newcomer in der Tennisszene, der aber bislang vor allem mit seinen unkontrollierten Wutausbrüchen auf dem Tennisplatz von sich Reden macht. Nun treffen die zwei Tennisspieler 1980 im Finalspiel von Wimbledon aufeinander. Für beide geht es um alles: Borg hat die Chance, mit einem nie da gewesenen 5. Turniersieg in die Sporthistorie einzugehen, McEnroe will zeigen, dass in ihm viel mehr steckt als ein Hitzkopf und muss gegen den scheinbar übermächtigen Favoriten Borg antreten.
Was den Film so besonders macht:
Der Film konzentriert sich nicht nur auf die Tage vor dem Turnier sowie dessen Verlauf, sondern erzählt in vielen Rückblenden die Kindheit und Jugend beider Spieler (dabei wird Borgs jugendliches Ich übrigens von seinem echten Sohn, Leo, gespielt), wodurch man beiden Sportlern sehr nahe kommt und versteht, was sie beim Tennisspielen so antreibt. Umso spannender ist dann der Kontrast 1980: Borg ist auf dem Höhepunkt seiner Karriere, wirkt aber extrem ausgebrannt und müde, John hat noch immer nicht geschafft, seine Launen unter Kontrolle zu bringen und ist von Ehrgeiz besessen. Im Laufe des Turniers entwickelt der Film dann seine ganz eigene Dynamik: Gespannt verfolgt man, wie beide Spieler ihre Matches gewinnen, wie der Eine (Borg) gefeiert und der Andere (McEnore) ausgepfiffen wird und wie sich die Presse sich immer mehr auf die Rivalität der beiden Tennisspieler konzentriert und das Aufeinandertreffen anheizt.. Im … Finale von Wimbledon kommt es dann zum Aufeinandertreffen vom großen Favoriten und dem Newcomer. Und egal, ob ihr wisst, wie dieses Match ausgeht, oder nicht: Glaubt mir, es ist bis zur letzten Sekunde unfassbar spannend.

Creed

Von alleine hätte ich das Boxdrama vermutlich nicht eingeschaltet, da ich weder mit Boxen noch mit der Rocky-Reihe (wobei es sich hierbei um einen Ableger handelt, es ist also kein Teil der Rocky-Filmreihe selbst) besonders viel verbinde. Rückblickend bin ich also froh, in diesem Fall auf den Geschmack meines Mannes vertraut zu haben, denn, ohja, es lohnt sich!
Darum geht es:
Donnie Johnson wächst als unehelicher Sohn der Box-Legende Apollo Creed in einer kalifornischen Jugendstrafanstalt auf und entdeckt früh das Boxen für sich, als er Besuch von Creeds Witwe Mary Anne bekommt, die ihn adoptieren möchte.
17 Jahre später kommt es dann zwischen Beiden zum Konflikt: So schlägt Donnie eine gut bezahlte Beförderung aus und kündigt stattdessen, um endlich seiner Leidenschaft, dem Boxen, als Beruf nachzugehen. Doch seine Adoptivmutter Mary Anne ist schwer dagegen, verlor sie doch ihren Mann Apollo vor 30 Jahren in einem Boxkampf gegen Ivan Drago. Aber Donnie lässt sich von seinem Traum nicht abbringen, auch nicht, als ihn das Boxstudio in LA ablehnt. Stattdessen begibt er sich auf die Suche nach dem alten Freund und größten Rivalen seines Vaters: Rocky Balboa und bittet ihn, ihn zu trainieren und fit zu machen für die Welt der Profi-Boxer. Nach längerem Zögern sagt Rocky zu…
Was den Film so besonders macht:
Allein für den finalen Titelkampf zwischen Donnie und dem amtierenden Weltmeister „Pretty“ Ricky Conlon lohnt es sich, den Film anzusehen: Es ist wirklich unfassbar, wie stark und realistisch der Regisseur Coogler den Boxkampf choreografiert und inszeniert. Wer da nicht mit offenem Mund und schweißnassen Händen vor dem Fernseher sitzt, der ist wirklich für das Sportgenre verloren!
Aber auch über die Sportszenen hinaus kann Creed punkten: Denn es ist auch ein Film über die berührende Annäherung zweier Männer, die an ganz unterschiedlichen Punkten ihres Lebens stehen: Rocky Balboa hat seine große Karriere längst hinter sich und trauert dem Tod seiner Frau Adrien hinterher, Donnie will sich dagegen von seinem übermächtigen Vater emanzipieren und es (zunächst) ohne den berühmten Nachnamen nach ganz oben auf die Boxwelt schaffen und verliebt sich in seine bildschöne Nachbarin. Donnie ist es auch, der Rocky wieder neuen Lebenswillen schenkt – und ihn ebenfalls zum Kämpfen bringt, denn auch Rocky muss sich einer großen Herausforderung stellen.

Kick it like Beckham

War eigentlich irgendjemand Anfang der 2000er nicht in Keira Knightley verliebt? Ich war es jedenfalls aufgrund von Filmen wie Fluch der Karibik oder Kick it like Beckham. Zwar bin ich mittlerweile aus dem Fanalter etwas raus, aber den Film sehe ich immer noch sehr gerne.
Darum geht es: Jess will nur eins: So Fußball spielen können wie David Beckham (jaja, der Film ist schon etwas älter). Doch ihre traditionelle indische Familie hat da etwas dagegen. Ginge es nach ihnen, sollte die 18-Jährige nach ihrem Schulabschluss Jura studieren und endlich einen anständigen, natürlich indischen Mann heiraten und ihm eine gute Ehefrau sein. Trotzdem setzt sich Jess mit ihrem Wunsch durch und spielt heimlich mit ein Paar Freunden regelmäßig im Park. Dort lernt sie Jules kennen, durch die Jess heimlich (ohne es ihrer Familie zu erzählen) Teil einer Frauenmannschaft wird.
Schnell kommen sich die beiden Mädchen, die schnell zu den Stars des Teams avancieren, näher – bis sie sich in denselben Mann verlieben. Und der ist ausgerechnet ihr Trainer. Und dann kommt auch noch Jess Familie hinter ihr Geheimnis. Ausgerechnet als sich die Chance auf ein College-Stipendium in den USA auftut.
Was den Film so besonders macht: Im Gegensatz zu BorgMcEnroe und Creed handelt es sich hier weniger um einen Nervenkrimi, als um eine klassische Feelgood Komödie, die einfach Spaß macht anzuschauen. Außerdem mag ich sehr den 2000er Nostalgie-Charme und wie Jess allen Hindernissen zum Trotz, an ihrem großen Traum festhält.

Der Kampf der geschlechter

Als ich den Titel und Trailer 2017 zu diesem Film im Kino sah, weiß ich noch, dass er mich auf Anhieb wenig reizte. Es brauchte wieder einmal Anstoß von Außen: So kam es, dass ich Anfang diesen Jahres mit einer Freundin den Film ansah, ohne Erwarten – und am Ende tatsächlich mit einem Tränchen im Auge.
Darum geht es: Erzählt wird die (tatsächlich) wahre Geschichte der Tennisspielerin Billie Jean King, die nach dem Gewinn der US Open 1970 eine Anhebung der Siegprämien einforderte, die ein Vielfaches geringer waren als die der männlichen Spieler. Dafür gründet sie gemeinsam mit einer anderen Tennisspielerin die WTA, die zukünftig eigene Turnier – Reihen organisiert. Wem das alles gar nicht gefällt, ist der ehemalige Weltklassespieler Billy Briggs, der mit seiner beendeten Karriere und dem Ende seiner Ehe hadert. Er fordert Billie Jean zu einem Match heraus – und ist bereit dafür 30.000 Dollar zu bezahlen. So will er beweisen, dass Männer die besseren Tennisspieler sind. Billie Jean lehnt ab, dafür nimmt eine andere Tennisspielerin die Herausforderung an: Und scheitert kläglich. Um die Ehre der Tennisspielerinnen wiederherzustellen, erklärt sich Billie Jean bereit, doch gegen Billy Briggs anzutreten. Vor dem Match entsteht ein wahnsinniger Medienzirkus, in der sich Billy Briggs mit Wundermitteln und Vitamintabletten vermarktet, währenddessen Billie Jean hart trainiert. Dann treten beide 1973 vor über 30.000 Zuschauer (und weltweiter Fernsehübertragung) zum Kampf der Geschlechter an…
Was den Film so besonders macht: Kampf der Geschlechter fokussiert sich – im Gegensatz zu BorgMcEnore – weniger auf das Tennisspielen an sich, als vielmehr um Billie Jean Kings Kampf für, bzw. Billy Briggs Kampf gegen Gleichberechtigung, was den Film auch knapp 50 Jahre nach dem historischen Kampf (leider) noch sehr aktuell macht. Dabei könnten die Gegensätze zwischen der ehrgeizigen, kämpferischen Billy und dem chauvinistischen Ex-Weltklassespieler nicht größer sein. Doch die große Leistung des Films ist es, dass der Film es trotzdem schafft, keine klassische Gut gegen Böse Manier aufzubauen, obwohl selbstverständlich die Sympathien mehr bei Billie Jean King liegen dürften. Stattdessen kommt man in vielen kleinen Szenen beiden Tennisspielern und ihren persönlichen Struggles sehr nah.

Karate Kid

Die Geschichte von Daniel LaRusso wurde 2015 mit Jackie Chan und Will Smiths Sohn Jaden Smith neu verfilmt, ich habe jedoch mein Herz an das Original aus 1984 verloren.
Darum geht es: Gemeinsam mit seiner alleinerziehenden Mutter beginnt für den 15-jährigen Daniel im sonnigen Kalifornien ein neues Leben. Während seine Mutter immerzu die Vorzüge der neuen Heimat preist, hat Daniel Probleme damit, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden. Schnell gerät er in Schwierigkeiten, als er sich in Ali Millies verliebt, die ausgerechnet die Ex-Freundin von Johnny Lawrence ist, der der Anführer einer Jugendbande und Star des lokalen Karatestudios ist. Schnell haben Johnny und seine Anhänger so Daniel auf dem Kicker, der sich anfangs nicht zu wehren weiß. Das ändert sich, als Daniel eine Freundschaft mit dem hilfsbereiten, aber eigenbrötlerischen Hausmeister aus seiner Wohnanlage schließt: Mr. Kesuke Miyagi. Er ist es auch, der Daniel nach einer harten Attacke der Jugendgang auf einer Halloweenparty verteidigt – und die Jungs mit seinen Karate Moves vertreibt. Daraufhin wird Daniel in die – physischen wie psychologischen – Karate Künste von Mr. Myagi eingeführt und auf den großen Showdown vorbereitet: Am Ende des Films treffen Daniel und Johnny bei einem Karte Turnier im finalen Kampf wieder aufeinander.
Was den Film so besonders macht: Allein das 80er Jahre Setting macht schon Spaß, den Film anzuschauen. Aber mich überzeugt der Film auch mit seiner ungewöhnlichen Freundschaft des älteren, etwas wunderlichen Mr. Miyagi mit dem unsicheren, teilweise auch etwas nervigen, ehrgeizigen Daniel, der seinen Platz im Leben erst noch finden muss und wie beide Charaktere immer mehr zueinander finden.

i, Tonya

Um es gleich vorweg zu sagen: Ich habe I,Tonya ohne jegliches Vorwissen angesehen, noch nichtmal der ungewöhnliche Vorname sagte mir vor Beginn des Films etwas. Das ist vermutlich nichts, worauf man stolz sein sollte, ist doch der Skandal rund um die amerikanische Eiskunstläuferin Tony Harding weltberühmt. Nun ja, so hielt Der Film für mich einige Überraschungen parat. Wer sich auch nicht auskennt: Googelt nicht, schaut euch bitte erstmal den Film an. Es lohnt sich. (Solltet ihr euch daran halten, dürft ihr hier aber auch nicht mehr weiterlesen…)
Darum geht es: Schon als kleines Mädchen möchte Tonya unter allen Umständen Profi-Eiskunstläuferin werden, obwohl sie aus einer ganz anderen Welt stammt, als die anderen Mädchen auf dem Eis. Denn Tonya und ihre kettenrauchende, dauerfluchende Mutter sind absoluter white Trash. Arm und prollig eckt Tonya bei den anderen Läuferinnen und den konservativen Juroren an und verbaut sich so einige wichtige Siege. Dabei steckt in ihr ein großes Talent, das von verschiedenen Trainerinnen gefördert wird. Als erste Amerikanerin absolviert sie innerhalb eines Wettbewerbs gleich zwei so genannte Dreifach-Axel: Einer der anspruchsvollsten Sprünge in der Eiskunstlaufszene. Tonyas großes Ziel: Die olympischen Winterspiele in Lillehammer im Jahr 1994. Doch schon während der Vorbereitungen fällt ihr ihre größte Konkurrentin auf: Nancy Kerrigan. Um sie aus dem Weg zu räumen, lässt Tonya ihren Ehemann Jeff ein paar Schläger anheuern, die sich um die unbeliebte Konkurrentin kümmern sollen.
Was den Film so besonders macht: Als besonderes Stilmittel inszeniert der Regisseur Craig Gillespie den Film teilweise durch Interviews mit Tonya, ihrem (Ex-)Mann, ihrer Mutter aus der Gegenwart als Mockumentary – wodurch die ganze Geschichte rund um den Anschlag auf Tonyas Konkurrentin noch mehr Drive bekommt. Auch wendet sich Tonya des Öfteren an den Zuschauer selbst, wodurch man noch mehr in den Bann gezogen wird. Vor allem das Ende machte mich jedoch sprachlos: Denn die (unechten) Interviews und viele Personen wirken im Film extrem überzeichnet, so dass ich mir häufiger sicher war, dass es dem Regisseur an der einen oder anderen Stelle aber sehr mit der Phantasie durchgegangen ist. Ganz am Ende werden dann jedoch die echten Interviews mit den Personen gezeigt: Die teilweise noch verrückter wirken als in den fiktionalen Szenen. Und auch der bitterböse, aber zugleich auch unfassbar schlecht geplante Anschlag auf Tonyas Konkurrentin beweist mal wieder: Die krassesten Geschichten spielt das Leben oft selbst.

Habt ihr noch weitere Tipps aus dem Genre Sportfilme für mich? 🙂

6 Comments

  1. Tine von Glücksgedöns

    Ah, ich liebe Sportfilme! Vor allem welche, wo es um Teams und Mannschaften geht. Zeigt mir die rührseligsten Liebesfilme und ich bin eher gelangweilt. Zeigt mir tolle Gruppendynamiken und bei mir fließen die Tränen. 😀 😀

    Mein allerallerallerliebster Sportfilm ist „Gegen jede Regel“.

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    1. johannaschreibtwas

      Haha, das kenne ich! Ich bin bei Sportfilmen oft so aufgeregt, wie es ausgeht, dass ich am Ende auch nicht selten ein paar Tränen der Anspannung verlieren muss. 😀
      Vielen vielen Dank für deinen Filmtipp: Gegen jede Regel kenne ich tatsächlich noch nicht, werde ich mir aber definitiv noch diese Woche ansehen. Der klingt super! 🙂

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