Sommer gibt es viele

Ist euch das schon einmal aufgefallen? Je nachdem, wo man sich in den Monaten Juni-September befindet, fühlt sich der Sommer immer irgendwie anders an. Denn es gibt nicht nur DEN einen Sommer. Sondern viele verschiedene. Das wurde mir erst neulich richtig bewusst, als ich eine kleine Reise durch Mitteldeutschland-Norddeutschland-Süddeutschland unternahm und dabei mit verschiedenen Seiten des Sommers in Berührung kam.

Sommerfrische in Norddeutschland

So saß ich an dem langen, sonnigen Pfingstwochenende im Garten meiner Schwiegereltern, irgendwo auf dem Land in Mecklenburg, als ich beschloss, mein Buch einmal zur Seite zu legen und ganz bewusst diesen Moment zu genießen. Der Himmel war ohne Wolken und von einem klaren Blau, die Sonne schien durch Äste und Büsche auf uns herab und tauchte alles in goldenes Licht, der orangene Sonnenschirm schenkte Schatten. Ein Wind wehte. So einer, wie er nur im Norden von Deutschland vorkommt. Stark und sanft zugleich, erfrischend. Mir kam der altmodische Begriff Sommerfrische in den Sinn..

Der Begriff Sommerfrische wurde vor allem im 19. Jahrhundert stark verbreitet und im Wörterbuch von den Brüdern Grimm als „Erholungsaufenthalt der Städter auf dem Lande zur Sommerzeit“ oder „Landlust der Städter im Sommer“ definiert.

Als Leipzigerin mit Liebe zur Landluft passe ich also perfekt ins Bild. Tatsächlich kann ich es jeden Sommer auch kaum erwarten, meine Koffer zu packen, und ein paar Tage oder Wochen irgendwo im Norden Deutschlands zu verbringen. Denn Sommerfrische, für mich, beginnt mit dem Blick auf flache, grüne Wiesen und gelbe Rapsfelder, mit Wind in den Haaren und – im Idealfall – Sand zwischen den Füßen.

ewiger sommer bei meinen eltern

Zuhause bei meinen Eltern in Potsdam ist der Sommer meiner Jugend für immer gespeichert. So viele Echos, die jeden Tag vergangene Zeiten wieder aufleben lassen: Der Klang von Flips Flops auf dem Weg zum See, das gemeinsamen Schwimmen vor dem Frühstück, tropfende Haare und müde Glieder, die erst danach mit einem starken Morgenkaffee und Brötchen gestärkt werden. Grillduft auf der Terrasse. Das Knistern von Papier der Morgenzeitung oder der BUNTE. Die klebrige sonnenverschmierte Haut im Liegestuhl. Das Jubeln und Gekreische von Nachbarskindern um unseren Garten herum. Weißwein zur Abendstunde. Sommerstunden, die für mich irgendwie losgelöst von Zeit und Raum existieren.

sommer in der stadt

Vor der eigenen Haustür beginnt der magische, manchmal aber auch gnadenlose Sommer der Stadt. Bunte Eisdielen sorgen für Süße, klimatisierte Geschäfte für etwas Abkühlung, wenn sich draußen zwischen den Häuserfluchten die Hitze staut. Schon der normale Arbeitsweg mit dem Fahrrad kostet Kraft. Der Blick aus Büros und Wohnungen ist sehnsüchtig auf Draußen gerichtet. Jetzt einfach mal an den See oder ins Grüne fahren…
Abends lässt sich der Sommer dafür umso besser aushalten. Unter Lichterketten und Leuchtreklamen wird aus der Stadt plötzlich das zweite Wohnzimmer. Aperol Spritz und Lillet schmecken mit Freunden draußen eben einfach noch mal besser.
Wie man den Sommer speziell in Leipzig genießen kann, lest ihr hier.

SOMMER WIE IM BILDERBUCH

In Tübingen, dem Wohnort meiner Schwester, lernte ich noch mal einen anderen Sommer kürzlich kennen. Einen, wie man ihn wohl nur in Süddeutschland kennt. Üppige, grüne Wissen und Hügel um uns herum, die Füße werden in erfrischende Bäche getaucht, die Fachwerkhäuser glänzen in der Sonne, Biergärten und Weinlokale haben bis spät Abends geöffnet, mit etwas Glück lässt sich die Katze an der Ecke streicheln. Als würde der Sommer uns umarmen wollen – so warm und weich empfand ich die hohen Temperaturen, dazu der breite, schwäbische Singsang, der merkwürdig beruhigend auf mich wirkte (ich weiß, hier scheiden sich die Geister). Leichtfüßig, schwebend, schön – ein Sommer wie aus dem Bilderbuch.

sommer in der fremde

Auch im Ausland fühlt sich der Sommer immer wieder anders an, riecht anders, schmeckt anders. Nach Kokosöl und Sonnenstunden , nach Tankstelle und Unterwegs-Sein, nach Meer oder Pizza. Er kann sich nach Stunden am Strand träge und schwer anfühlen, vibrierend und gleißend in den Metropolen der Welt, verträumt und sehnsüchtig im Süden, erfrischend im Norden. Was zählt ist, dass er sich anders anfühlt als Zuhause. Und wir die Veränderungen mit jeder Faser unseres Körpers spüren. Denn das Licht, in dem wir uns selbst spiegeln, ist auf einmal ein Anderes: Ein schmeichelhaftes, wärmendes Strahlen, in dem wir uns so präsentieren können, wie wir wollen. Wie wir sind oder gerne wären. Egal, ob mit Cocktail oder Landkarte in der Hand.

Welche Seiten vom Sommer kennt und liebt ihr?

13 Comments

  1. Tine von Glücksgedöns

    Ein spannendes Thema! Ich bin ja ein Küstenkind und mag deswegen den norddeutschen Sommer (Nordfriesland, yeah!) am liebsten. Er ist zwar oft etwas wechselhaft, weil der Wind immer mal wieder Wolken heran- und dann wiederwegpustet, aber ich mag die frische Brise, die Abkühlung bringt, genauso wie das Meer.

    Ansonsten geht es mir oft so, dass ich die Wärme in der Fremde (z.B. am Mittelmeer) deutlich besser ertrage als hier bei uns in Deutschland. Insbesondere besser als in den Großstädten, wo der Wind nicht übers Land fegen kann.

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      1. johannaschreibtwas

        Wooooooow herzlichen Glückwunsch!! Das wird ganz bestimmt traumhaft schön! ❤ Nur ihr beide oder dürfen andere Gäste mit rauf?
        Mein Mann und ich haben uns für eine Schiffhochzeit entscheiden, weil der Leuchtturm auf Amrum zu dem Zeitpunkt leider nicht frei war. Also herrlich, ich wünsche euch alles Glück dieser Welt! 🙂

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      2. Tine von Glücksgedöns

        Dankeschön! ❤

        Das Ganze wird erst im September stattfinden, mal gucken, wie dann die Bestimmungen sind. Ich geh aber gerade davon aus, dass zumindest noch ein paar andere Gäste mit hoch dürfen.

        Eine Schiffshochzeit ist ja auch wunderschön. Und dann vom Kapitän getraut worden?

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      3. johannaschreibtwas

        Da ist ja wirklich noch ein bisschen Zeit – ich drücke euch auf jeden Fall ganz fest die Daumen! 🙂
        September ist auf jeden Fall der beste Monat für eine Hochzeit – wir haben uns da auch getraut. 😉
        Ne, leider nicht: Die Trauung hat trotzdem ganz normal ein Standesbeamter vollzogen, der das zum Glück aber sehr schön gemacht hat. Der Kapitän hat uns dafür dann romgeschippert und Sekt ausgegeben. 😀

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  2. Helen

    Liebe Johanna, ich liebe den Sommer einfach, egal welche Variante, und dank deiner Beschreibungen konnte ich mich perfekt in die jeweilige Situation hineinversetzen. Den Sommer in der Ferne mag ich genauso wie zuhause, irgendwie fühle ich mich zu der Zeit immer freier und unbeschwerter. Wahrscheinlich gefällt es mir am besten, die verschiedenen Sommer innerhalb von einem Sommer zu erleben. 😀 Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich den Sommer auf jeden Fall am Wasser verbringen, egal ob am Meer oder am See.
    Liebe Grüße, Helen

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    1. johannaschreibtwas

      Liebe Helen,
      das freut mich aber zu hören. 🙂 Ich finde es auch, dass es gerade die bunte Mischung macht: Wie bei einem bunten Eisbecher, wo man verschiedene Varianten kosten kann. Aber Wasser sollte auf jeden Fall immer dabei sein, da gebe ich Dir definitiv recht. 🙂

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  3. Christiana

    Liebe Johanna, du hast die verschiedenen Sommer-Varianten so schön beschrieben, ich konnte mir die jeweiligen Orte sehr gut vorstellen. Und als ich so darüber nachgedacht habe, habe ich festgestellt, dass ich es auch kenne, dass sich der Sommer überall unterschiedlich anfühlt. War mir bisher gar nicht so bewusst. Ich für mich bevorzuge den Sommer außerhalb der Stadt, einfach, weil ich es gerade im Sommer in der Natur wunderschön finde und gar nicht genug bekommen kann von all den Farben und Düften. Wobei, die Abende in der Stadt, die du beschrieben hast, finde ich auch richtig toll. Ich wünsche dir einen wunderschönen Sommer 🙂
    Ganz liebe Grüße
    Christiana

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    1. johannaschreibtwas

      Liebe Christiana,
      das freut mich aber, dass Du diese Beobachtung jetzt auch gemacht hast. Mir fiel es tatsächlich auch erst in diesem Jahr auf meiner kleinen Tour auf, völlig verrückt! Ohja, der Sommer in der Natur ist wirklich wunderschön! Mir hat auch das Bild von der Blumenwiese, das du neulich gepostet hast, so gut gefallen! Richtig schön! 🙂
      Ich finde, der Mix macht es! Wobei, müsste ich mich entscheiden, ich vermutliche Tage an der Nordsee mit Wind in den Haaren und riesengroßen Tortenstücken bevorzugen würde. 😀

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  4. Magda

    Liebe Johanna, wie schön du die verschiedenen Seiten des Sommer beschrieben hast! Ich weiß was du meinst 😉 Ich muss zugeben, dass ich auch schon bei uns im Garten verschiedenen Sommer erlebt habe: den sonnigen, den regnerischen, den wolkigen Sommer ☺️ Aber ich habe den Sommer nicht nur bei uns im Garten verbracht, sondern auch in Polen am Meer (Ostsee) sowie den Sommer in wärmeren Ländern (Mallorca, Kanaren). An der Ostsee ist es wechselreich: Sonne, Wolken, Regen, Sturm alles an einem Tag und somit erfrischend 😅 Der Sommer in wärmeren Ländern scheint mir etwas „stillstehend“ und warm. Klingt verrückt, aber irgendwie verbinde ich immer dieses Gefühl mit den Orten 🙂
    Liebe Grüße und hab einen guten Start ins Wochenende!

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