Ausflug ins Blaue

Nichts liebe ich im Sommer so sehr, wie den Sprung ins kalte Wasser. Egal, ob die Füße dabei in die Ost- oder Nordsee getaucht werden oder es mit dem Fahrrad an den nächsten Badesee geht: Hauptsache, Abkühlung! Während ich vor fünf Jahren noch mit großem Heimweh nach Rostock und der Ostsee zu kämpfen hatte, habe ich dabei inzwischen die Leipziger Seenlandschaft richtig lieb gewonnen. Die ist nach und nach in den 90er Jahren entstanden, als aus sozialpolitischen und Umweltschutzgründen die meisten Braunkohl – Tagebaue eingestellt und seitdem in mehr als 23 Seen um Leipzig und Halle, Bitterfeld und Borna verwandelt wurden.
Für alle, die vielleicht für den Sommer einen Städtetrip nach Leipzig geplant haben, habe ich eine kleine Übersicht über meine persönlichen Lieblingsseen in und um Leipzig erstellt:

Der Klassiker für Stadtschwärmer*innen: Der Cospudener See

Der Cospudener See gehört zum Leipziger Sommer dazu wie Freisitz (für alle Nicht-Sachsen unter Euch: Damit sind Biergärten gemeint) und Freiluftkino auf der Feinkost. Hat man Lust, bei schönem Wetter Freunde zu treffen, kann man fast immer davon ausgehen, am „Cossi“ jemanden zufällig wiederzusehen. Denn die knapp 25 Minuten mit dem Fahrrad vom Südplatz auf der Karli bis zum See sind dann selbst nach einem langen Arbeitstag immer noch ganz gut zu erreichen. Vor Ort habt ihr dann die Wahl zwischen Ostseefeeling dank Sandstrand (und am Wochenende auch mit genau so vielen Besuchern!) am Nordstrand, mondänes Reisefeeling am Yachthafen oder eher auf versteckte Buchten und Freikörperkultur drum herum. Ich persönlich liebe vor allem die Morgen- und Abendstunden am See, wenn man den See vergleichsweise noch für sich hat.

Der Yachthafen
So sieht es am Nordstrand wirklich nur morgens aus

Die sichere Bank Für Familien: Der Markleeberger See

Obwohl es von der Innenstadt mit dem Fahrrad auch nicht viel länger dauert, bis man den Markleeberger See erreicht (ungefähr 45 Minuten), verliert er in Entscheidungsfragen oft gegen den „Cossi“. Dabei ist auch der Markleeberger See nicht zu unterschätzen, denn auch er bietet von Ostseezuständen am Strandbad Ost zu kleinen Buchten alles, was das aufgeheizte Sommerherz so begehrt. Wer es ganz sportlich mag, kann dort sogar im Kanupark noch das (künstliche) Wildwasser unsicher machen. Für mich ist der Markleeberger See vor allem für Familien abgespeichert, die gerade am Strandbad Ost ihre Zelte und Muscheln aufschlagen. Wer sich vor der Menschenmenge nicht scheut, wird dafür dann auch mit großartigen Pommes an der Imbissbude belohnt.

Pommes und Eis am Strandbad Ost
Am Strandbad ist spätestens um 12h am Samstag alles belegt, also lieber zeitig aufschlagen

Der Geheimtipp für Individualisten: Beucha

Ob es wirklich ein Geheimtipp für alteingesessene Leipziger*innen ist, weiß ich ehrlich gesagt gar nicht, allerdings musste ich bislang Jedem, den ich das Bild von der Kirche auf dem Felsen zeigte, genau den Weg nach Beucha (mit dem Fahrrad dauert es 40-50 Minuten) erklären. Ich wurde auf diesen mit Wasser gefüllten Steinbruch durch das wunderbare Buch 52 kleine und große Eskapaden in und um Leipzig und Halle aufmerksam. Und tatsächlich sieht es auch in der Realität so aus, als wäre der Ort aus einer Postkarte entsprungen. Die Male, die ich da war, war die Anzahl weiterer Badegäste zudem extrem überschaubar (<10), was den Charme für mich direkt noch erhöhte. Besonders toll: Hat man sein Bad im Steinbruch eingenommen, kann man diese tolle Aussicht und mutigen Felsenspringer von den umliegenden Klippen entspannt zusehen.

Für Fahrradfaher, die gerne überrascht werden: Goitzsche in Bitterfeld

Hört man den Namen Bitterfeld, denkt man nicht sofort als Erstes an grüne Landschaften und klares, blaues Wasser, oder? Ja, so ging es mir auch, bis in diesem Sommer mein Mann und ich uns einmal die Räder geschnappt haben und nach Bitterfeld aufgebrochen sind. Dort verbrachten wir einen der (bislang) schönsten Tage in diesem Sommer, an dem wir aus dem Staunen gar nicht mehr herauskamen: Von dem ehemaligen Braunkohleabbaugebiet ist jedenfalls so gut wie nichts mehr zu spüren. Stattdessen fuhren wir auf gut ausgebauten Strecken durch kühle Wälder, überquerten Schmetterlingspfade und landeten schließlich auf der Halbinsel Pouch, die Festivalgängern von euch vielleicht ein Begriff ist (dort findet jährlich das Sputnik Springbreak Festival statt) und in die wir uns sofort aufgrund ihrer kleinen Badebuchten verliebten. Natürlich gibt es aber auch an der Goitzsche größere (und somit überlaufene) Badestellen, an denen zum Teil echter Ostseestrand liegt. Wer mehr auf Action steht: Seit 2015 kann man im Wakepark mit bis zu 30km/h über die Goitzsche düsen.

Für Alle, die auch im Sommer in den Norden wollen: Der Kulki

Der Kulkwitzer See wurde bereits Ende der 60er Jahre aus zwei Braunkohlegruben geflutet und gehört somit zu einem der ersten Tagebauseen Leipzigs. Im Gegensatz zu den beiden südlichen Seen Cossi und Markleeberger See, findet ihr den Kulki im Norden von Leipzig in der Nähe zum „Problemviertel“ Grünau. Ich persönlich finde es ja ziemlich fair, dass gerade ein so sozialschwaches Viertel den – meiner Meinung nach – allerschönsten See abbekommen hat. Hier findet ihr kristallblaues Wasser, abgeschiedene Pfade und grüne Liegewiesen, die aus einem Werbebild entsprungen sein könnten, zum Teil aber auch anderes Klientel als man vielleicht in seiner Cossi – Blase gewohnt ist, wobei ich bislang nie schlechte Erfahrungen gemacht (aber durchaus von welchen gehört) habe. Aber zum Glück ist der See ja groß genug, um für sich das passende Stückchen zu finden. Und glaubt mir: Eure Entdeckerlust und die knapp 45-minütige Anreise mit dem Fahrrad lohnen sich. Sehr sogar.

Aber natürlich gibt es noch jede Menge anderer Seen in und um Leipzig, die es zu entdecken gilt. Auf meiner Liste für diesen Sommer stehen eigentlich noch die Mulde, Naturbad Nordost und der Hainbergsee. Wie sieht es in eurer Gegend so aus? Seid ihr einem See treu oder geht ihr auch so gerne auf Entdeckerseen? Und falls ihr schon mal in Leipzig ward oder lebt: Welchen See mögt ihr am Liebsten?

INFO: Natürlich habt ihr auch die Möglichkeit mit dem Auto, dem Bus oder der S-Bahn zu den Seen zu gelangen. Hier ist Google Maps bekanntlich euer bester Freund. Da ich (fast) immer mit dem Fahrrad unterwegs bin, kenne ich mich mit den anderen Zeiten und Verbindungen nicht so gut aus.

2 Comments

  1. Magda

    Liebe Johanna,
    vielen lieben Dank für den informativen Beitrag! Eines Tages erfülle ich mir den Wunsch den Osten zu besichtigen. Bis jetzt hin fuhren wir mit der Familie immer nur durch den Osten nach Polen, aber so wirklich gestoppt und uns die Gegend angeschaut, das haben wir nicht.
    Der See um oder an der Kirche auf dem Felsen sieht wundervoll aus! Es ist natürlich ein Jackpot, wenn noch nicht viele Menschen von solch einem schönen Ort bescheid wissen!
    Schade, dass durch meine Stadt nur die Wupper fließt und alle Seen ein paar Kilometer entfernt liegen. Aber ich nehme mir vor, die anderen Seen in meiner Umgebung auch mal zu erkunden 🙂
    Ich wünsche dir noch eine erfolgreiche Woche und bleibe gesund! 😉

    Liken

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